Jordan Rudess

From Bach to Rock: A Musician‘s Journey
am 04.04.2018 in Utrecht, Niederlande

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Andere Künstler schreiben ihre Auto-Biografie und veröffentlichen sie als Buch. Jordan lädt stattdessen seine Fans auf eine ganz besondere, persönliche musikalische Reise ein.

Meine Vorfreude stieg von Tag zu Tag, als Mitte Januar mehr und mehr Termine angekündigt wurden, an denen Jordan Rudess mit seiner Solo-Show „From Bach to Rock: A Musician‘s Journey“ nach Europa kommen würde. Nachdem er bereits 2017 eine handvoll dieser Konzerte in den USA gab, von denen ich gerne eines besucht hätte, war ich von der Ankündigung einer Europa-Tour natürlich sehr angenehm überrascht. Mit drei Konzerten in Deutschland ist mein Heimatland sogar am meisten vertreten. - Zu blöd, dass ich ausgerechnet an diesen Terminen einen viertägigen Kurzurlaub gebucht hatte. Aber das sollte kein unlösbares Problem werden, und so buchten ein Freund und ich kurzerhand einen Städtetrip nach Amsterdam und zwei Tickets für Jordans Konzert in benachbarten Utrecht.

Jordan Rudess Jordan Rudess

Amsterdam ist übrigens toll und auf jeden Fall eine Reise wert, doch das nur am Rande... Zum Einklang eines gelungenen Abends haben wir uns mit Jeroen und Coen getroffen, die vor vielen Jahren Jordans Fanclub gegründet haben und immer interessante Geschichten zu Jordan Rudess und Dream Theater zu erzählen wissen. Die edle Location „Tivoli Vredenburg“ ist ein noch recht neuer Gebäude-Komplex mit mehreren Veranstaltungssälen. Jordan hatte sich im „Cloud Nine“ eingemietet. Das ist ein hoch oben im neunten Stock gelegener, sehr moderner, kleiner Konzertsaal, der bestuhlt ca. 300 Leuten Platz bietet. Das Bühnen-Design war wenig überraschend schlicht gehalten, denn mehr als einen wundervoll klingenden Steinway-Flügel und ein Mikrofon braucht Jordan Rudess nicht, um das ausverkaufte Haus für zweieinhalb Stunden inklusive einer halbstündigen Pause bestens zu unterhalten.
Wir waren spät dran mit dem Kauf unserer Tickets, deshalb war es anfangs ein klein wenig enttäuschend, dass es nur noch zwei nebeneinander gelegene Plätze auf dem kleinen Balkon gab. Rein zufällig stellte sich aber heraus, dass unsere Plätze zu den sehr wenigen gehörten, bei denen man Jordan direkt auf die Hände sehen können würde.
Es war verblüffend zu erfahren, dass Jordan auf dieser Tour ohne jegliche Crew auskommt und lediglich von seiner lieben Frau begleitet wird, die nicht nur beim Schleppen des glücklicherweise je Konzert immer leichter werdenden Merchandise-Koffers, sondern auch bei der Organisation behilflich ist.
Nach einem herzlichen Empfang durch das Publikum wurde mir schnell klar, dass der Name auch Programm ist. Ich gehöre zu denjenigen, die gerne versuchen, sich überraschen zu lassen und sich vor einem Konzert so wenig wie möglich zu informieren. Und so hat es mich umso mehr gefreut, dass Jordan nicht einfach nur „irgendein“ Konzert gab, bei dem er seine Musik zum Besten gibt. Andere schreiben ihre Auto-Biografie und veröffentlichen sie als Buch. Doch Jordan lädt seine Fans auf seine ganz persönliche, musikalische Reise ein!

Jordan beginnt mit einer Erzählung, wie ebendiese Reise begann, als er mit fünf Jahren auf einem Klavier in der Schule improvisierte. Seine Lehrerin erzählte seiner Mutter, wie schön und gut er das schon könne, und seine Mutter wusste von nichts und dachte erst, die Lehrerin hätte die Eltern verwechselt. Was folgt, ist eine mehrminütige Improvisation auf das Kinderlied „Mary Had a Little Lamb“.
Zwischen den Stücken erklärt Jordan immer, wie seine Musiker-Karriere dann weiter ging. Jordan ist ein guter Geschichten-Erzähler, und sowieso ist seine Geschichte keine langweilige. Später geht es weiter mit einem Bach-Stück, das er für eine Aufnahmeprüfung an der Juillard Highschool vorspielte. Besonders bemerkenswert und spannend war später zum Beispiel, dasjenige Klavierstück zu hören, das Jordan als letztes vor dem Abbruch seiner klassischen Karriere übte. Ohne zu viel vorwegzunehmen, sage ich nur: 30 Seiten Noten von Chopin.
Nicht weniger beeindruckend waren die weiteren Stücke, die ihn nach seiner klassischen Karriere geprägt und begleitet haben. Dazu zählen eine Hommage an seine Progressive-Rock-Vorbilder genauso wie Eigen-Kompositionen und Musik von Liquid Tension Experiment und Dream Theater. Und wer es noch nicht weiß: Jordan ist auch ein sehr guter Sänger, was er in zwei Stücken unter Beweis stellt. Eine kurze Auszeit hatte der Flügel gegen Ende dann doch noch, als Jordan eine seiner mittlerweile zahlreichen Apps, nämlich GeoShred, auf dem iPad lädt und darauf eine Rock-Improvisation auf das Publikum loslässt.

Jeden Moment des Konzerts habe ich genossen. Von Improvisationen zum Träumen, über ein paar kleine Witze bis zu manch rührender Stelle. Selbst als langjähriger Fan von Jordan habe ich trotzdem so viel Neues über ihn erfahren. Dieses kleine Konzert in fast intimer Atmosphäre, in der ich in jeder Sekunde das Gefühl hatte, hier etwas ganz Besonderes erleben zu dürfen, war für mich persönlich ein absolutes Jordan-Rudess-Highlight für mich, für das ich so dankbar bin. Zugegeben, ich bin „Die-Hard-Fan“, und ich mag so gut wie alles, wenn es um Herrn Rudess geht, doch hatte ich auch vom Rest des Publikums das Gefühl, dass es ebenso begeistert war! Spielerisch ist Jordan weiterhin in Bestform! Ein grober Patzer ist mir nicht ein einziger aufgefallen. Ein wahrlich perfekter Abend für mich! Als Jordan die Bühne verließ, hatte ich noch lange nicht das Gefühl, dass er tatsächlich schon zwei Stunden gespielt hatte.

Mindestens jedem seiner Fans und Pianisten, die die Möglichkeit haben, eins dieser Konzerte zu besuchen, möchte ich dies wärmstens empfehlen und unbedingt ans Herz legen. Das Gesamtpaket aus hochwertiger Musik, Erzählungen, dem passenden Ambiente, lustigen wie auch rührenden Momenten machten das Konzert für mich zu einem unvergesslichen Erlebnis!
Ich hoffe, Jordans Reise ist noch lange nicht zu Ende - egal, ob als Solo-Künstler oder mit Dream Theater. Aber ob dieses Konzert-Erlebnis aber noch einmal zu toppen ist? Im noch andauernden Rausche der Begeisterung möchte ich es fast zu bezweifeln wagen.